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Über den Tellerrand
Bio liegt uns am Herzen, deshalb interessieren und bewegen uns Dinge wie Gentechnik, Nachhaltigkeit und Umweltverschmutzung.
An dieser Stelle möchten wir Sie über aktuelle Themen auf dem Laufenden halten.
25. August 2010
Gute Gründe gegen Gentechnik
Zur Unterstützung derjenigen, die sich in Stadt und Land für die Sicherung der gentechnikfreien Landwirtschaft und Ernährung engagieren, haben Umwelt-, Wirtschafts-, Verbraucher und Bauernverbände gemeinsam den Informationsdienst Gentechnik ins Leben gerufen.
Auf der Internetseite stellt der Informationsdienst täglich aktuelle Nachrichten zur Agro-Gentechnik bereit und speziell die Meldungen aus den Regionen. Sie finden dort zahlreiche Argumente und Aktionsmöglichkeiten für eine gentechnikfreie Landwirtschaft und Ernährung, aber auch konkrete Informationen zur praktischen Umsetzung einer gentechnikfreien Landwirtschaft, Beiträge, die sich kritisch mit den Pro-Gentechnik-Argumenten auseinandersetzen oder wissenschaftliche Studien zu fachspezifischen Themen.
12. März 2010
Gen-Kartoffel Amflora- unerwünscht und überflüssig
Verbraucher wollen kein Genfood und keine Stärkekartoffel Amflora. Der Großteil der Deutschen spricht sich gegen den Anbau von gentechnisch verändertem Mais und gegen die Genkartoffel Amflora aus. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag von Greenpeace. 79 % sprachen sich für den Fortbestand des Anbauverbotes von Genmais aus. 77 % der Befragten unterstützen ein Anbauverbot der Genkartoffel. Bei Frauen ist die ablehnende Haltung zu Genfood stärker ausgeprägt als bei Männern. Eine besonders hohe Ablehnung gegen die Agrogentechnik ist in der bayerischen Bevölkerung festzustellen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU, CSU-Parteichef Horst Seehofer und der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Gen-Kartoffel zu fördern, obwohl es mittlerweile Kartoffeln mit ähnlichen Eigenschaften ohne Gentechnik gibt. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, die Warnungen vor den gesundheitlichen und ökologischen Risiken ernst zu nehmen und den Anbau in Deutschland zu verbieten.
Die Gen-Kartoffel des BASF-Konzerns ist die erste Gen-Pflanze, die seit 1998 zugelassen wurde. Sie darf nicht nur angebaut und technisch verwertet, sondern auch für die Tierfütterung und - bis zu einem Verschmutzungsgrad von 0,9 % - für Lebensmittel verwendet werden. Amflora produziert besonders viel Stärke in Form von Amylopektin, eine Substanz, die als Rohstoff für technische Produkte wie Kleister, Papier und Beton benötigt wird. Bei der gentechnischen Manipulation wurden der Gen-Knolle zusätzlich Antibiotika-Resistenz-Gene eingebaut! Wissenschaftler schließen nicht aus, dass dadurch Resistenzen auf Bakterien übertragen werden können und damit die Wirksamkeit von Antibiotika verringert wird. Die betroffenen Antibiotika sind laut Weltgesundheitsorganisation besonders wichtige Mittel zur Behandlung von multiresistenter Tuberkulose.
Die Behauptung der Regierung, die Gen-Kartoffel werde nicht in die Nahrung gelangen, ist unglaubwürdig. Wo Genpflanzen angebaut werden, tauchen sie über kurz oder lang auch in Lebensmitteln auf. BASF weiß das und hat deshalb umfassende Zulassungen auch für Lebensmittel beantragt", erklärt Hofstetter.
Die Kartoffel soll in diesem Jahr in Deutschland auf einer kleinen Fläche in Mecklenburg-Vorpommern wachsen, um das Pflanzgut zu vermehren. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium hat der BASF-Konzern zugesagt, die Produktionsrückstände in Deutschland nicht als Futtermittel zu verkaufen.
Quelle: greenpeace
12. Januar 2010
Genanbau generiert Herbizid resistente Unkräuter
Der Anbau genmanipulierter Sojabohnen, Mais und Baumwolle in den USA hat den Verbrauch an Pestiziden ansteigen lassen und zahlreiche resistente Unkräuter hervorgebracht. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht, den mehrere Umweltgruppen in den USA vorgelegt haben. Autor ist der Agrarexperte Charles Benbrook, der für diese Studie Daten des US-Landwirtschaftsministeriums ausgewertet hat. Er kam zu dem Ergebnis, dass durch den Anbau der Genpflanzen in den USA in den 13 Jahren von 1996 bis 2009 insgesamt 172.000 Tonnen mehr Pestizide eingesetzt worden seien.
Durch den Anbau von Bt-Mais und Baumwolle seien 29000 Tonnen Insektizide eingespart worden, wobei das von den Pflanzen gebildete Insektizid unberücksichtigt blieb. Insgesamt sei der Genpflanzenanbau also für einen bisher aufgelaufenen Mehrverbrauch von 143.000 Tonnen Pestizidwirkstoffen verantwortlich.
Die Gründe hierfür sind, laut Benbrook, das dramatische Anwachsen herbizidresistenter Unkräuter.
Die ersten gegen den Roundup Wirkstoff Glyphosat resistenten Unkräuter seien 2000 aufgetaucht und hätten sich in den letzten Jahren epidemieartig ausgebreitet.
Anmerkung Bringmirbio: Die Resistenzbildung von Unkräutern wird gefördert durch den ausschließlichen Einsatz dieses Wirkstoffs, weil alle bislang eingesetzten herbizidresistente Genpflanzen ausschließlich gegen dieses Herbizid aus dem eigenen Hause des Saatgutmultis Monsanto resistent sind. Dieses Problem war von vorneherein abzusehen und zeigt, dass landwirtschaftliche Probleme sich nicht mit gentechnischen Methoden lösen lassen, da die Natur sich nicht überlisten lässt. Wahrer Fortschritt liegt nicht in der Überlistung der Natur durch immer ausgefeiltere Gentechnik, sondern in der Nachhaltigkeit der Produktion.
Derzeit gebe es 9 oder mehr Unkräuter, die insgesamt Millionen Hektar Land befallen hätten.
Einige der befallenen Baumwollfelder seien aufgegeben worden.
Um der Unkrautinvasion Herr zu werden, würden die Bauern entweder noch mehr Glyphosat spritzen, oder noch giftigere Herbizide einsetzen.
Quelle: www.organiccenter.org/science.latest.php?action=view&report_id=159
09. Oktober 2009
von Leo Frühschütz zur Panorama Sendung vom 07.10.2009
Schelte vom Politmagazin Panorama
„Geheimsache Bio“ hieß ein Halbstunden-Beitrag, den der Norddeutsche Rundfunk am Mittwochabend den 7.10.09, in seiner Sendung „Panorama – Die Reporter“ brachte. Themen waren der Kupfereinsatz im Obstbau, die Geflügelhaltung und die Frage, ob Bio gesünder sei. Panorama ließ die Bio-Branche und ihre Vertreter darin ziemlich schlecht aussehen. Unser Autor Leo Frühschütz hat sich den Film angesehen. Am Donnerstagabend, den 8.10.09, lief der Beitrag noch einmal in gekürzter Fassung im Ersten. Tenor dort: Massentierhaltung im Bio-Landbau.
Neues hat das „das investigative Politformat des NDR“ (Eigenwerbung) nicht berichtet. Wer sich nur ein bisschen mit Ökolandbau auskennt, weiß, dass im Obst-, Wein-, Hopfen- und Kartoffelanbau Kupferpräparate eingesetzt werden. Die Diskussion darüber geht seit Jahrzehnten. Doch bisher waren alle Anstrengungen, Kupfer zu minimieren oder gar ganz zu ersetzen, nur bedingt erfolgreich. Neu ist auch nicht, dass es in der Öko-Geflügelhaltung agrarindustrielle Strukturen gibt, Unternehmen, die Zehntausende von Biohühnern halten sowie Probleme bei deren Kontrolle. Das alles können interessierte Verbraucher (und Journalisten) seit Jahren im Kundenmagazin Schrot&Korn ebenso nachlesen wie in den Bio-Schlechtmach-Büchern von Miersch & Co.
Bekanntes künstlich aufgebauscht
Die Journalisten von Panorama haben ihre Story dennoch als große Enthüllungsgeschichte aufgemacht – und das handwerklich sehr gut. Ordentlich auf Skandal gebürstet, kräftig schwarz-weiß gemalt und die Branchenvertreter, die ein differenziertes Bild darstellen wollten, schlecht aussehen lassen. Kein Laie merkt, dass da aus den längeren Interviews genau die Passagen genommen wurden, die in das Schwarz-Weiß-Gemälde passten.
Natürlich stimmt das idyllische Bild, dass sich viele Verbraucher von der Bio-Produktion machen, oft nicht mit der Wirklichkeit überein. Aber es reicht nicht aus, mit dem Zeigefinger auf diese Diskrepanz zu deuten und „Skandal!“ zu schreien. Man müsste – journalistische Aufklärung ernst genommen – den Zuschauern auch erklären, warum „Bio“ keine heile Welt ist und welche Rolle sie selbst als Verbraucher dabei spielen.
Auf Aufklärung der Verbraucher verzichtet
Ein guter Anlass dafür wäre die Szene mit dem ehemaligen Manager gewesen, der jetzt im Wendland 500 Hühner hält und als Kronzeuge für die heile Biowelt auftritt. „Können sie denn von den Eiern ihrer 500 Hühner leben?“ hätte die Frage lauten müssen. Vielleicht hat die Reporterin Anja Reschke sie ja gestellt. Gesendet wurde sie auf jeden Fall nicht. Denn natürlich kann dieser Nebenerwerbslandwirt von den geschätzten 100.000 Eiern, die seine Tiere pro Jahr legen, nicht leben. Selbst wenn er unrealistische 10 Cent je Stück verdienen würde.
Womöglich wäre die Reporterin dann darauf gekommen, dass der Riss innerhalb der Bio-Branche bei den Eiern woanders verläuft: Zwischen den bäuerlichen Familienbetrieben, die mit 3.000 oder 5.000 Legehennen kaum überleben können und Agrarindustriellen wie Hennenberg und Tiemann mit Zehntausenden von Tieren. Vielleicht hätte sie dann auch recherchiert, wie viel die Erzeugung eines Bio-Eis kostet und was der Verbraucher bei Aldi dafür zahlt. Und hinterfragt, wie das zusammengehen soll.
Kein Wort über schorfresistente Apfelsorten
Auch beim schorfigen Apfel, den der Obstbau-Forscher in die Kamera hält, hätte man einhaken können. Vielleicht hätte es die Zuschauer ja interessiert, dass es schorfresistente Sorten wie Topaz gibt, die man nicht mit Kupfer spritzen muss. Dass es andere Apfelsorten wie Gala gibt, die für den Bio-Anbau eigentlich ungeeignet, weil zu empfindlich sind. Dass sie aber dennoch produziert werden, weil die Kunden sie wollen.
Es ist der Kunde, der entscheidet, ob er Topaz oder Gala kauft. Aber wenn er nur Panorama schaut, erfährt er das nicht. Da erfährt er nicht einmal den Unterschied zwischen chemisch-synthetischen und natürlichen Pflanzenschutzmitteln. Statt dessen erklärt eine Mitarbeiterin des Bundesinstituts für Risikobewertung, dass die üblichen Pestizidrückstände kein Problem sind. Das wird weder hinterfragt, noch durch eine Gegenposition relativiert (bei anderen taucht da meist Manfred Krautter von Greenpeace auf). Auch kein Wort davon, dass (egal ob schädlich oder nicht) Bio-Obst und Gemüse 300 bis 400 mal weniger Pestizidrückstände enthält als konventionelles. Da hätte man gar nicht investigativ nachforschen müssen. Das steht im Ökomonitor der baden-württembergischen Lebensmittelbehörde.
Fazit: Einer der Beiträge, von denen es noch viele geben wird. Der Quote zuliebe auf Skandal getrimmt. Da wird sich die Bio-Branche dran gewöhnen müssen und gegensteuern, indem sie nicht nur immer die Vorteile von Bio darstellt, sondern gegenüber den Verbrauchern auch die Probleme offen kommuniziert.
09.Oktober 2009
Pressemeldung Demeter
Gute Kartoffelernte auch ohne Kupfereinsatz
Die 1400 deutschen Demeter-Bauern sind zufrieden mit ihrer Kartoffelernte. In der biodynamischen Demeter-Landwirtschaft ist der Einsatz des jetzt öffentlich kritisierten natürlichen Pflanzenschutzmittels Kupfer für Kartoffeln nicht zugelassen. Die Biodynamiker setzen auf ihre eigenen Heilpflanzenpräparate aus Kamille, Löwenzahn, Baldrian, Eichenrinde, Schachtelhalm oder Kiesel. Die machen den Kompost besonders wertvoll oder stärken als feinstofflich wirksame Spritzmittel die Pflanzen. „So werden unsere Kartoffeln nicht nur besonders schmackhaft, sondern sind auch voller vitaler Nährstoffe,“ betont Demeter-Vorstand Stephan Illi, ein studierter Landwirt.
Dafür muss der Demeter-Bauer ganzen Einsatz bringen. Schon das Bett der Kartoffeln sollte bestens vorbereitet sein. Optimal ist die Erde, wenn sie leicht durchwärmt, gut gelockert und dank vorherigem Leguminosen-Anbau reichlich mit natürlichem Stickstoff versorgt ist. Wichtig und eine Vorbeugung gegen die gefürchteten Pilzerkrankungen ist das Vorkeimen der Kartoffeln im Gewächshaus. Die passenden Sorten, großer Reihenabstand und eine bewusste Standortwahl sind weitere Faktoren, die sich als Prophylaxe bewährt haben. Pfeift der Wind durch das Kartoffelkraut, mögen die Pilzsporen das nämlich gar nicht.
Demeter-Kartoffeln gibt es jetzt als Aktionsware in den Demeter-Aktiv-Partner-Läden. Das sind auf Qualität spezialisierte Naturkostfachgeschäfte, Biosupermärkte und Demeter-Hofläden oder ausgewählte Reformhäuser. Außerdem finden Verbraucher Demeter-Kartoffelprodukte zum Beispiel als Pommes oder Püree in den Bio-Regalen.
Kupfer für Wein- und Obstbau wichtig
Aber auch Demeter-Bauern setzen Kupfer ein. Für den Wein- und Obstbau sind Kupferspritzungen unter strengen Mengenlimitierungen in der Biodynamischen Wirtschaftsweise zulässig. „Wir arbeiten schon lange an einer Minimierungsstrategie,“ betont Vorstand Stephan Illi. Bei Demeter dürfen nur bis zu maximal drei Kilo Kupfer pro Hektar und Jahr in Wein- und Obstbaukulturen eingesetzt werden. Je Spritzung ist die maximale Ausbringung sogar auf 500 Gramm Kupfer begrenzt. „Um irgendwann mal ganz auf Kupfer verzichten zu können müsste einfach mehr Geld in die ökologisch orientierte Forschung und das Suchen nach effektiven Alternativen fließen“, argumentiert der Agraringenieur. In der konventionellen Landwirtschaft sind sehr viel höhere Kupfermengen im Einsatz. Laut EU-Öko-Verordnung sind für den Bio-Anbau sogar sechs Kilo/Hektar und Jahr zulässig, also doppelt so viel wie bei Demeter.
Kupfer ist einerseits ein unverzichtbares – essentielles – Spurenelement, das der Ernährung von Pflanze und Mensch dient. Andererseits steht es im Verdacht, sich im Boden anzureichern und Mikroorganismen zu schädigen oder sogar die Bodenfruchtbarkeit zu stören, wenn es in größeren Mengen eingesetzt wird. Allerdings sind diese Vermutungen noch nicht ausreichend belegt. Außerdem erforschen die Öko-Pioniere des ältesten Bio-Anbauverbandes Alternativen wie potenzierte Kupferlösungen ähnlich den homöopathischen Heilmitteln oder Kompostteespritzungen. Wird Kupfer gespritzt, ergeben sich keine erhöhten Kupferwerte im Endprodukt, dem Bio-Lebensmittel. Das haben Untersuchungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ergeben.

